Weitere Überlegungen zur Legehennenanlage

Wenn man ein Projekt vorliegen hat und sich damit auseinandersetzt, findet man Bestätigungen recht leicht. Deshalb habe ich mich auch mit einem ehemaligen Stadtvertreter unterhalten (wenn man durch Polen fährt, geht das auch aus dem Auto), der lange in der Landwirtschaft tätig war. Es war ein anregendes Telefonat, in dem ich auch andere Sichtweisen vermittelt bekommen habe. Mein Gesprächspartner sieht die Eierproduktion mit mobilen Ställen klar im Vorteil zu festen Ställen. Bei letzteren ist der Boden in unmittelbarer Nähe der Ställe schnell überdüngt, da Hühner nicht weit laufen mögen. Ob Agroforst die Hühner zum Weiterlaufen animiert? Die Fläche pro Huhn werde durch die dreietagigen Sitzstangen künstlich vergrößert, war ein weiteres Argument meines Gesprächspartners. Aus seiner Sicht sei das Ziel, die Pflanzenproduktion durch Biohühnermist zu einer Biopflanzenproduktion zu entwickeln, mit dieser Anlage nicht zu erreichen. Er vermutete, es müsse Hühnermist aus den Niederlanden importiert werden. Diese Lieferkette sei aber durch periodisch auftretende Importsperren wegen Vogelgrippe sehr instabil, Unterbrechungen können zur Aberkennung des Biostatusses führen. Ein weiteres Gegenargument war die hohe Legeleistung, die der in der konventionellen Haltung kaum noch hinterher steht.

Auch die Wirksamkeit des Siegels „Bioland“ kam zur Sprache.
Es gibt ja über 100 verschiedene Biosiegel, von Bioland bis Demeter. Wie groß die Unterschiede bei den verschiedenen Biosiegeln ist, zeigt die folgende Grafik.

"Vergleich der Biosiegel"

Bei der Beschäftigung mit dem Thema habe ich viel Neues erfahren. Ein Gespräch steht noch aus. Vielleicht ergibt sich ja eine weitere Sichtweise auf das Thema.

PS: Dieser Blogbeitrag (einschließlich des Telefonats) entstand in meinen Beifahrerzeiten auf der Rückfahrt aus der Partnerstadt Suwalki nach Waren (Müritz) auf den polnischen Autobahnen und Schnellstraßen. 

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Eine Legehennenanlage in Warenshof?

Am 07.07.2021 erhielt ich per Mail von Frau Minke von der Interessengemeinschaft Warenshof eine Anfrage zum Planungsstand eines Klimamessturms und einer Legehennenanlage im Umfeld der alten Hühnerställe an der Teterower Chausse hinter der Hausnummer 4. Zum Klimamessturm konnte ich ihr einen Auszug aus der Niederschrift einer Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses zur Verfügung stellen. Über die Legehennenanlage kannte ich auch nur Gerüchte. Über den Stadtentwicklungsausschuss erhielt ich einen Kontakt zu dem das Projekt begleitenden Mitarbeiter der Landgesellschaft M-V, der mir das Vorhaben bestätigte.

Meine erste Frage war: Gibt es nicht schon genug Eier, besteht überhaupt noch ein Bedarf an Eiern?
Eine Recherche im Internet zeigte, dass die in Deutschland verzehrten Eier nur zu rund knapp 73 % in Deutschland selbst produziert werden.

https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung-fischerei/versorgungsbilanzen/eier/
verlinkt mit der Quelle (letzter Besuch 14.08.2021)

Daraus folgte die zweite Frage: Wo kommen die „fehlenden“ Eier her? Auch hier fand ich die Antwort durch eine Internetrecherche.
Quelle (leider hinter einer Bezahlschranke: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1131225/umfrage/lieferlaender-von-huerhnereiern-in-deutschland-importmenge/)
Die Quelle besagt, dass der größte Teil der Importe aus den Niederlanden, Polen, Belgien und Frankreich importiert werden.
Sind Eier, die erst hunderte von Kilometern durch Europa transportiert werden, noch ökologisch produziert?

Eine weitere Frage, die ich mir stellte: Welche Haltungsbedingungen müssen für die Produktion von Bio-Eiern eingehalten werden?
Hier fand ich Antworten: Fragen und Antworten zur Legehennenhaltung in Deutschland (Letzter Besuch 14.08.2021)

Bei einem Besuch einer Legehennenanlage in Brüssow erhielten wir auf alle Fragen zu den Haltungsbedingungen Antworten. Z.B. ist ein Stall in einen „Warmteil“ mit Sitzstangen und Legenestern, in einen „Wintergarten“ und in den Außenbereich gegliedert. Die Innenbereiche sind durch die Tiere jederzeit erreichbar, der Außenbereich nur in einer bestimmten Zeit. Im Stall haben 6 Tiere je 1 m², in der Außenanlage stehen jedem Tier 5 m² zur Verfügung. Im Außenbereich befinden sich mehrere Unterstände für die Hühner und Hähne. Gefüttert werden ökologisch produziertes Futter und Weizen. Der Kot wird mittels Förderbändern aus dem Stall in geschlossene Kotsilos transportiert und von dort 2 mal im Jahr abtransportiert. Wir (3 Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses und ich) hatten den Eindruck, gesundes, vollständig befiedertes Geflügel zu sehen. 

 


 

Eine Frage habe ich mir noch gestellt. Ist der Standort geeignet? Für die Antwort bin ich natürlich nicht Fachmann genug. Meine Sicht ist:
In der Teterower Chaussee gab es bis in die 1990iger Jahre die „Eierfarm“ in der in 4 Ställen bis zu 40.000 Tiere in Käfig- und Bodenhaltung gehalten wurden. Bei der Übergabe der Unterschriften der Interessengemeinschaft Warenshof am 09.08.2021 auf dem Gelände habe ich noch 2 Bullen auf einem Teil des Geländes gesehen. Der Hühnerkot wurde und der Bullenmist wird offen gelagert. Der größte Teil der mit Wellasbest gedeckten  und unmittelbar hinter dem Wohnhaus stehenden Gebäude ist ungenutzt. Die neue Stallanlage soll sich ca. 150 m hinter den hinteren alten Gebäuden in Richtung der Bahngleise Berlin – Rostock befinden.
Mein Fazit: Wenn alle nötigen Gutachten für eine Eignung der Fläche sprechen, könnte die Chance genutzt werden, um diese „LPG-Brache“ abzureißen und neu zu gestalten. Aber ich habe mir noch 2 Gesprächspartner ausgesucht, die beide Erfahrungen in der ökologischen Landwirtschaft haben. Dazu in weiteren Blogbeiträgen. (siehe Weitere Überlegungen zur Legehennenanlage)

Bei den Recherchen bin ich noch auf eine weitere Möglichkeit der tierwohlgerechten Gestaltung des Außengeländes gestoßen, die Agroforstwirtschaft

 

Auf Nachfrage bestätigte mir der potentielle Bauherr, dass der Einsatz schnellwachsender Bäume durchaus geplant sei.

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